ICM Exclusive: Interview mit Florian Lukas

Lies das Interview auf Englisch

Als wir hörten, dass Florian Lukas, der eine Rolle neben Rupert in “Into The White” spielt, die Weltpremiere seines deutsch-chinesischen Films “iPhone You” in Berlin besuchen würde, zögerten unsere Mitarbeiter Karo und Kathy keine Sekunde. Sie nahmen die Chance wahr, mit Florian zu sprechen, über sein Treffen mit Horst Schopis, Fremdsprachen und eine mysteriöse Kapuze. Hier ist ihr Bericht:

Nun, das war eine Premiere, wie man sie nicht jeden Tag erlebt. Sie begann unter einer U-Bahn-Station, mit der berühmten Berliner Currywurst und Bier und endete in einem eindrucksvollen Kino, dass einst eine Brauerei war. Kurz bevor Florian auf den Roten Teppich treten sollte, nahm er sich ein paar Minuten Zeit für uns und sprach über warme Unterwäsche, Arbeitszeiten in Norwegen und Skikünste am und neben dem Set.

Kleine Seitennotiz: Während wir mit Florian sprachen, wurden wir von einem geschäftigen Kinomitarbeiter, der mit einem Motorroller vorbeikam, gebeten, ihm die Tür aufzuhalten. Florian reagierte ohne Starallüren prompt und öffnete die Tür mit einem “Na klar!”. Der arme Mitarbeiter wurde ganz rot, als er erkannte, wen er gerade angesprochen hatte. Gut zu wissen, dass es noch Schauspieler gibt, die so auf dem Boden geblieben sind, dass sie anderen die Türen öffnen. :)


ICM: War’s sehr kalt?
FL: Ja, es war sehr kalt in Norwegen, aber wir hatten da so Fliegeranzüge an, in sofern war das genau richtig angezogen.
ICM: Habt ihr auch, eine norwegische Reporterin hatte vorgeschlagen, Wollunterwäsche zu tragen. War das nötig, oder ging’s auch anders?
FL: Ja, also wir haben zum Teil Fleece – Fleece ist natürlich echt super – drunter getragen. Also, wenn man die Uniformen nicht gesehen hat. Es gab so ein, zwei Szenen, in denen wir draußen die Fliegeranzüge nicht anhatten. Das sieht bei Sonnenschein total warm und gemütlich aus, aber…
ICM: …war’s nicht.
FL: Da muss man dann durch. Ja.
ICM: Und wie lange habt ihr am Tag gedreht, ungefähr? Wenn ihr in Norwegen draußen wart?
FL: Naja, in Norwegen sind die sehr strikt, anders als in Deutschland, mit ihren Arbeitszeiten. Wir waren dann immer so zehn Stunden draußen, so in etwa, und in Schweden ist das das gleiche. In Deutschland achtet kein Mensch auf die Arbeitszeiten; da fängst Du bei 12 Stunden mal an. Ja, wir haben in einem sehr schönen Hotel gewohnt, ich weiß nicht ob ihr Photos gesehen habt; und am Wochenende waren wir Skifahren. Das war schon eine schöne Zeit.
ICM: Seit ihr da auch privat skigefahren?
FL: Ja. Am Wochenende dann. Denn dahinter war praktischerweise ein Skilift. Und der Regisseur hat mir immer seine Skier geliehen und dann konnte ich fahren, ja.
ICM: Aber dann müssen wir ja mal fragen, ob Rupert denn nun Skifahren kann.
FL: *lacht*
ICM: War er ja noch nie.
FL: Jaaaa… ich hab ihn auf Skiern gesehen, ja.
ICM: Am Set?
FL: Privat. Und im Film fährt er auch Ski.
ICM: Ihr alle, ihr fünf?
FL: Nee, nur Rupert und Stig Henrik, der norwegische Schauspieler, der einen deutschen Soldaten spielt.
ICM: Die beiden?
FL: Ja
ICM: Und wie war das mit dem internationalen Cast? Ihr fünf kommt ja nun wirklich aus unterschiedlichen…


In diesem Moment wurden wir unterbrochen, da er auf den Roten Teppich musste. Jedoch verließ uns Florian mit dem Vorschlag, ihn nach dem Film noch einmal zu suchen.

Etwa zwei Stunden später, nach dem Film und einer Frage/Antwort-Runde, trafen wir Florian erneut, der nicht nur für ein kurzes Gespräch bereit war, sondern sich eine ganze Stunde Zeit für uns nahm!


ICM: Wie habt ihr das am Set von “I Phone you” mit der Verständigung gemacht?
FL: Über Dan. Also über die Regisseurin, und eine Übersetzerin.
ICM: Also immer…
FL: Deutsch, Englisch, Chinesisch, alles durcheinander. Aber wie Julia schon sagte, die Moderatorin [der Frage/Antwort-Runde], die reden dann untereinander ganz viel Chinesisch und man…
ICM: Man steht daneben…
FL: …man steht daneben und dann hört sich das aber trotzdem gerne an, weil das, weil das schön klingt.
ICM: Sie hat ja auch eine tolle Stimmfarbe.
FL: Ja. Und dann, aber Yiyan [Hauptdarstellerin in "I Phone You"] redet noch weniger Englisch als man denkt. Also, ich hatte das Gefühl, sie hat trotzdem nur die Hälfte verstanden von allem… Aber sie nicken immer so nett. Also das ging irgendwie. Und wenn halt mit Händen und Füßen.
ICM: Und hat sie ein bisschen deutsch gelernt? Oder gar nicht?
FL: Gar nicht. Sie haben versucht, mir ein paar Sachen beizubringen, aber ich weiß gar nichts mehr. Es ist nichts hängengeblieben. Nichts! Ich weiß noch nicht mal mehr, welche Wörter.
ICM: Wie ist das mit Norwegisch? Ist das einfacher?
FL: Ja! “Tyssen tag” heißt “Vielen Dank”. “Szysseschieler” oder so heißt “Schauspieler”. Sie haben viel auf Norwegisch miteinander gesprochen, und nicht Englisch, obwohl die super Englisch können; und so hat man das dann einfach mitgelernt. Und es gibt so ne Nachspeise die heißt “Ekke tusses”.
ICM: Es gab doch Essen?
FL: Das Essen war super. Ich hab noch nie so viel Fisch gegessen da, wie in Norwegen.
ICM: Und da ging das dann hauptsächlich mit Englisch?
FL: Nur Englisch, ja. Obwohl die meisten auch Deutsch in der Schule haben, und viele verstehen Deutsch. Es waren auch viele Schweden und Dänen im Team, und was ich auch nicht wusste, dass sie sich ja alle untereinander verstehen können, wenn sie ihre eigene Sprache sprechen. Also das war mir neu, und das ist toll.
ICM: Ja, wir haben eine Dänin, die eure ganzen schwedischen und norwegischen Artikel übersetzt. Die meinte dann schon, das sie es nicht unbedingt verstehen kann, wenn man es spricht, aber die Texte…
FL: Ja, verstehen können sie das alle, aber nicht sprechen. Das war immer ganz witzig am Tisch. Da sitzen drei Nationen und jeder spricht seine eigene Sprache, aber alle verstehen sich.

ICM: Wie war das eigentlich mit Horst Schopis, den zu treffen?
FL: Das war super. Er hatte ein iPhone…
*alle lachen*
FL: Das war faszinierend, ja, mit 98. Und vor allem: Er konnte es bedienen.
ICM: Das können auch nicht alle jungen Männer.
FL: Er hat mir sehr viel erzählt, auch sehr viel über Tagespolitik. Ich mein, wir hatten nicht so wirklich viel Zeit, und ich dachte, “Das ist nett, Horst,” – er hat mir auch das Du angeboten, “aber lass uns mal zurückgehen, jetzt nicht über Angela Merkel sprechen, oder Afghanistan”. Er hatte nen sehr guten Überblick. Das ist echt toll so jemanden zu treffen. Er meinte, “Du kannst mich alles fragen, alles. Ob ich ein Nazi war, alles.” Und wenn Du als Schauspieler so jemanden triffst, erst recht jemanden, den Du spielst, dann fragt man halt voll unvoreingenommen, und ohne Urteil. Also, man konfrontiert dann jemanden nicht mit irgendwelchen Einsichten, die man nur im Nachhinein erwerben konnte, und das war ganz gut, um sich da reinzudenken. “Ich bin jetzt echt 1940″ und der ganze Scheiß, der danach passiert ist, den vergisst man einfach dann. Man ist dann nur ein Soldat. Das war ganz schön, ihn zu treffen.
ICM: Und wie viel Zeit hattet ihr, Euch mit ihm zu treffen, und Euch zu unterhalten?
FL: Also ich hatte nen ganzen Abend mit ihm, und nochmal n paar Stunden so am nächsten Tag, ja
ICM: Hast Du auch das Buch von ihm gelesen?
FL: Ja. Ja, der Teil von der Geschichte ist ja relativ kurz. Er erzählt viel über die Kriegsgefangenschaft, und da hat er Glück gehabt in Kanada. Die hatten ja da ein verhältnismäßig…
ICM: Das klang teilweise fast schon ‘nett’…
FL: Mit den ganzen Fluchtversuchen, ja. Bestimmt besser als in Russland, schon. Aber trotzdem, ‘nett’ ist das bestimmt nicht… wenn du denkst, das kann noch ein halbes Jahr dauern, und dann ist das noch ein Jahr … Aber ich mein, wann triffst Du noch mal jemanden, der so alt ist, und der so viel erlebt hat. Das ist schon echt selten. Viele wollen oder wollten ja auch nicht reden.
ICM: Und haben die vier anderen Schauspieler auch was von ihm erfahren können? Wie das damals so war in Grotli?
FL: Das ist ja sehr gut dokumentiert durch sein Buch, und der Hotelbesitzer, der Arel, der das betreibt, der macht das jetzt in der 5. Generation. Er hat uns an die Schauplätze geführt. Diese Geschichte ist so stark auch mit diesem Hotel verbunden; er war so stolz, dass wir da waren, weil diese Geschichte auch ein Teil seiner Familiengeschichte ist. Er kannte sich wahnsinnig gut aus. Er hat uns auch noch sehr, sehr viel erzählt, weil er auch alle Details kennt.
ICM: Ist das dann der Enkel?
FL: Das weiß ich gar nicht. Na, er ist so Mitte 50, also, ich denke, das müsste der Enkel sein, von dem Besitzer von damals in 1940.
ICM: Das ist ja auch schon eine ganze Weile her…
FL: Ja, ne Weile schon. Ja, 70 Jahre.
ICM: Und ihr 5 so untereinander? Ihr habt ja auch ganz unterschiedliche Lebensabschnitte.
FL: Ja, Stig Henrik ist toll, der norwegische Schauspieler, der ist schon Großvater. Der ist 45.
ICM: Was?! Das hab ich auch noch nicht gewußt.
FL: Ja! Und das ist… wisst ihr, das war der größte Knallkopf von allen. Also, das war nett.
ICM: Und David ist ja erst 20, richtig?
FL: Er ist 20, oder 21. Er ist ein sehr konzentrierter Profi, ganz toll. Das hat total Spaß gemacht, auch weil wir so unterschiedlich sind. Und das kommt auch im Film dann so gut an. Also, hoffentlich, jedenfalls. Also, dass das nicht langweilig wird, wenn da 5 Typen in so dicken Anzügen rumstehen. Aber die Bilder sind toll, echt, also das hab ich echt noch nie gesehen, die sind super…

ICM: Seit ihr auch, also ihr 5, auch ganz anders als die Charaktere, die ihr spielt; oder ist jemand irgendwie so, wie der Charakter, den er spielt?
FL: Das ist schwer zu sagen. Ich bin kein preußischer Offizier. Also, weiß ich nicht. Also die größte Diskrepanz war mit Sicherheit Stig Henrik, der also, der wirklich ein ganz verspielter Typ ist und einen ganz ernsten, unheimlich stummen deutschen Soldaten spielen musste. Ansonsten… das kann ich echt nicht sagen. Schwer zu sagen.
ICM: Wie hat er das denn gemacht, hatte er vorher Deutschunterricht, oder ging das alles am Set?
FL: Also er hat vorher Deutschunterricht gehabt, wie eben viele Norweger, und er versteht viel Deutsch. Und dann habe ich eben auch noch versucht, ihm zu helfen. Vor den Szenen direkt, oder wir haben uns abends hingesetzt und sind die ganzen Sachen durchgegangen. Er hatte einen Coach, aber der hat ihm so nen komischen Militärklamottenjargon beigebracht, so preußisch. Und nicht Hochdeutsch. Und das war etwas albern. Und schon erst recht, wenn’s n Norwerger versucht…
ICM: Und der Film ist dann aber auf deutsch und englisch…
FL: Der ist Deutsch, Englisch, wobei die Deutschen sprechen besser English als damals, 1940. Also, im Buch beschreibt er ja, dass die Deutschen gar kein Englisch konnten, oder wenig, aber daraus kann man ja keinen Film machen. Also ich hoffe, das Englisch ist okay, und nicht so schrecklich. Ich hab mir viele alte Filme angeguckt, und da haben die Deutschen immer so einen harten Akzent, und alle lachen drüber. Das haben wir so auch nicht gemacht. Das kannste ja heute keinem mehr zumuten.
ICM: Hat Rupert mit Euch Deutsch gesprochen, denn er hat das ja eigentlich mal gelernt?
FL: Rupert hat gar kein Deutsch gesprochen.
ICM: Hat er Euch gesagt, dass er eigentlich…
FL: Nein…
ICM: Das hat er wohl verschwiegen…
FL: Der kann deutsch verstehen???
ICM: Er hat das in der Schule gelernt, er spricht es auch ein bisschen.
FL: Nee, wusste ich nicht…
ICM: Das ist mal was für die Premiere…
FL: Da werd ich ihn mal drauf ansprechen… Nee, wusste ich nicht. Aber der Liverpool-Akzent ist echt krass.
ICM: Ja?!
FL: Das macht echt Spaß, da zuzuhören.
ICM: Ist das sehr auffällig von seinem “normalen” Akzent?
FL: Sehr auffällig! Also wenn du die Texte… ich meine, wir kennen ja die Texte, aber teilweise war das echt schwer zu verstehen, was er gesagt hat. Wir haben das dann irgendwie dann auch beim Dreh genutzt, und dann mal nachgefragt: “Was hat der gerade gesagt?!” Selbst die Engländer tun sich schwer, so nen harten Akzent zu verstehen.
ICM: Und Lachlan? Wie spricht sich der Name eigentlich aus.
FL: Ja, das hab ich ihn auch gefragt. Loch-lan, neh, Loch-lann. Lach-lenn? Loch-lahn. Lochlan. Lochlan Nieboer.
ICM: Lochlan Nieboer. Und wie ist das? Spricht der ein ‘normales’ Englisch?
FL: Ja, der spielt ja so einen Upper-Class Officer, und der spricht dann, ja, wie man sich das so vorstellt. Vornehm.
ICM: Hat Calle/Zentropa Euch eigentlich erzählt, was im Hintergrund über den Film abging, über Twitter, auf Seiten der Fans? Ich mein, der Film fängt gerade an zu drehen, und alle Fans gucken drauf und warten auf die neuesten Nachrichten.
FL: Auf dem Blog, oder was? Also, ich hab das nicht verfolgt am Anfang.
ICM: Die haben nie Fotos von Euch gezeigt.
FL: Nee, haben sie nicht. Am ersten Tag, da sind wir im Schnee herumgefahren, und Rupert hatte so ne lustige Wintermütze auf. Kennt ihr diese Mütze?
ICM: War das, als ihr die Tour gemacht habt?
FL: Genau. Er trug diese lustige Wollmütze, mit diesem lustigen Wollschnurrbart. Und Rupert ist total nett. Echt wahnsinnig nett.
ICM: Ja, da war diese Pressekonferenz, wo sich dann alle gewundert haben, dass er eine Kapuze auf den Bildern trägt.
FL: Welche Kapuze?
ICM: Naja, Rupert hatte immer eine Kapuze auf. Seine Haare waren immer verdeckt, und da fragten sich alle muss er das, oder er schämt sich?
FL: Ich hab überhaupt keine Ahnung. Das kann ich Dir nicht sagen. Ich denk da auch gar nicht drüber nach.
ICM: Aber was meinst Du, was die Leute darüber nachdenken!
FL: Ich hab überhaupt keine Ahnung. Der läuft auch so einfach mit Kapuze durch die Gegend. Weiß ich nicht. Naja, keine Ahnung, ich glaub der war einfach müde oder so. Das war halt ne lange Nacht…
ICM: Ja, das sieht man auf den Fotos.
FL: Ja, ich hab mich auch nicht erkannt…
*Pause*
FL: Was macht ihr denn so?
ICM: Lehrerin. Ärztin.
FL: Du bist Ärztin? Und ihr seid rupert-grint.us?
ICM: Ja. Wieso.
FL: Naja, ich hab mich immer gefragt, wer das ist. Und ihr seid zwei von… wie vielen auf der Seite?
ICM: Aktive Mitarbeiter, weil die anderen so viel im Privatleben zu tun haben, sind wir fünf. Fünf “Comrades”…


Und damit sagten wir ‘Auf Wiedersehen’, aber nicht, bevor Florian sich erneut fotografieren ließ, und damit erneut bewies, dass er ein echt netter Typ ist. Nicht jeder Schauspieler würde ganz spontan länger als eine Stunde mit Fans quatschen und ein spontanes Interview geben.
Mit der Hoffnung, dass wir uns 2012 bei den Premieren für “Into The White” wiederzusehen, verließen wir das Kino, mit der Titelmusik zu “I Phone You” im Ohr…

Tausend Dank an Florian Lukas für den tollen Abend, und für weitere Informationen zu “I Phone You”, besucht die offizielle (deutsche) Internetseite oder imdb!



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